Susanne Philipp, Unternehmenskommunikation 22.02.2018

Agile Lösungskultur durch Digital Leadership

Digital Leadership

Seit beinahe 20 Jahren bewähren sich agile Methoden in der Software-Entwicklung, die darauf abzielen, den Prozess flexibler und schlanker zu machen. In erster Linie geht es dabei um Selbstorganisation, persönliche und enge Abstimmung im Team, den Fokus auf wesentliche Kundenbedürfnisse, die Reduktion auf grundsätzliche Funktionen, Qualitätsorientierung und die Bereitschaft, in wiederkehrenden Prozessen dynamisch auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Agile Methoden setzen allerdings auch entsprechende Mitarbeiterprofile voraus: Team-Mitglieder sind grundsätzlich motiviert und selbstreflektierend genug, um das eigene Verhalten zugunsten der Effizienz zu bewerten und anzupassen. Am Ende steht dann optimale Software, die genau den aktuellen Anforderungen entspricht (und nicht etwa denen, die etwa bei der Verfassung eines Pflichtenheftes gefragt waren) und auch weiterentwickelt werden kann, weil Veränderung sozusagen ein Teil der DNA einer Software geworden ist.

Wir haben früh bemerkt, dass diese Arbeitsweise nicht nur unsere Art zu programmieren verändert. Der agile Ansatz beeinflusste uns in fast allen Bereichen.

Agilität als Führungskonzept

Der Begriff Digital Leadership beschreibt die Voraussetzung für Agilität im Unternehmen – neben Fähigkeiten und Methoden von Führungskräften auch einen spezifischen Weg, Strukturen und Prozesse zu gestalten. Digital Leadership übernimmt wesentliche Elemente aus dem oben beschriebenen agilen Prozess und überträgt sie in die betrieblichen Abläufe. Neben der Arbeitsgestaltung werden zunehmend auch Führungs- und Strukturprinzipien von Organisationen überdacht. Die Weiterentwicklung von partizipativen Führungsmodellen soll nicht zuletzt helfen, besser auf konkurrierende, disruptive Geschäftsmodelle reagieren zu können.

Die vielzitierte digitale Transformation bedeutet keine einmalige Anpassung an neue Marktanforderungen, sondern eine ständige Veränderungsbereitschaft. Dabei darf der Fokus nicht ausschließlich den IT-Aspekten gelten. Der Faktor Mensch spielt hier wahrscheinlich die wichtigste Rolle. Die Arbeit wird flexibler, transparenter, experimenteller, dynamischer. Die digitale Transformation wird zum Kulturwandel, und damit verändern sich auch die Anforderungen an Führungskräfte grundsätzlich.

Im Prinzip digital

Den aktuellen Stellenwert von Digital Leadership beleuchtet die Studie Digital Leadership – Die Zukunft der Führung in Unternehmen. Die Befragung ergab unter anderem, dass Organisationen aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen ihr insgesamt eine hohe Bedeutung zuschreiben. Allerdings scheint Digital Leadership in den Unternehmen kaum umgesetzt zu werden. Lediglich die IT- und Telekommunikations-Unternehmen scheinen hier gut aufgestellt, die Automobilindustrie beabsichtigt laut der Erhebung zumindest die Einführung neuer Führungsprinzipien und interner Schulungen.

Impulse für den Aufbau von Digital Leadership in den Unternehmen entstehen – so die Studie weiter – nicht durch prominente Leuchtturmfiguren großer Tech-Unternehmen wie Google & Co. oder öffentlich diskutierte Success Stories. Vielmehr wird es als aussichtsreich erachtet, wenn die eigene Unternehmensführung eine Vorbildrolle einnimmt, beispielhafte Geschäftserfolge mit digitalen Projekten erzielt wurden und neue Instrumente testweise zum Einsatz kommen. Digital Leadership muss sich also aus den Unternehmen selbst heraus entwickeln.

Die Bereitschaft zur digitalen Transformation

Selbst vollständig digitale Unternehmen profitieren nicht automatisch von Digital Leadership. Und anders herum haben wir mit recht traditionellen Unternehmen und Organisationen zusammengearbeitet, die die Prinzipien der Agilität effektiv adaptieren konnten. Uns scheint es besonders auf die folgenden Aspekte anzukommen:

Personalentwicklung

In jedem Unternehmen schlummert digitales Potenzial, das nur gefördert werden muss – intern bzw. mit externer Unterstützung.

Kundenorientierung

Effiziente Kundenkommunikation mit Feedback-Analysen schärfen das Bewusstsein für die Bedürfnisse der Zielgruppe Kunde. Diese müssen im Zentrum des unternehmerischen Handelns stehen.

Agilität

Eine agile Kultur des digital gestützten, selbstorganisierten Arbeitens stärkt Unternehmen für künftige Herausforderungen.

Digitalkompetenz

Auch weiterhin wird es neue technologische Möglichkeiten und Chancen geben. Langfristig erfolgreich werden die sein, die nicht nur digitale Werkzeuge zu nutzen wissen, sondern auch deren Einfluss auf die eigene Arbeit und den Zielmarkt einschätzen können.