30 Jahre, 30 Fragen, Blogbeitrag #23: Eine Meinung hat jeder. Aber wessen Meinung zählt?
Beim Relaunch einer Website reden viele mit. Wie viele, zeigt sich oft erst beim ersten Konzept: Was die Fachabteilung als zentrale Funktion sieht, hält die IT für aufwendig, und die Redaktion fragt, wer das später pflegen soll.
Die Verantwortung liegt meist bei jemandem aus Marketing oder Unternehmenskommunikation – einer Person, die viele dieser Fragen nicht allein beantworten kann.
Drei Jahrzehnte Projektarbeit zeigen: Nicht die Technik bremst solche Vorhaben aus, sondern unklare Zuständigkeiten. Manchmal weiß niemand, wer eine Frage endgültig entscheiden darf.
Warum Kommunikationsthemen so viele Meinungen anziehen
Bei einer Datenbankstruktur halten sich die meisten zurück, wenn sie das Thema nicht beurteilen können. Doch bei Texten, Bildern und Gestaltung mischen fast alle mit. Ob es um die Startseiten-Überschrift, ein Bildmotiv oder die Menüstruktur geht: Alle haben eine Meinung.
Das kann hilfreich sein, denn unterschiedliche Perspektiven verbessern die Kommunikationsarbeit. Problematisch wird es, wenn viele Rückmeldungen auf unklare Zuständigkeiten treffen. Dann geht ein Entwurf in die zweite Runde, dann in die dritte – bis am Ende eine Version entsteht, die alle Wünsche berücksichtigt, aber niemanden überzeugt.
Als Kommunikatorin kenne ich diese Schleifen gut genug, um zu wissen, wie viel Zeit sie kosten.
Feedback ist keine Entscheidung
Ein einfacher Schritt schafft Abhilfe: Bevor die erste Runde startet, klären die Beteiligten, wer Feedback gibt und wer entscheidet. Beides kann bei verschiedenen Personen liegen – entscheidend ist, dass die Rollen klar sind.
Wer beispielsweise einen zusätzlichen Menüpunkt vorschlägt, sollte auch wissen, ob er oder sie damit eine Empfehlung ausspricht oder eine Entscheidung treffen kann. Die Redaktion kann auf den Pflegeaufwand hinweisen, die IT technische Einschränkungen benennen und die Fachabteilung ihre Anforderungen erläutern. Doch wer wägt diese Interessen gegeneinander ab und legt das Ergebnis fest?
Ob eine Rückmeldung als Hinweis oder als Widerspruch verstanden wird, hängt auch davon ab, welche Entscheidungsbefugnis jemand hat. Und wer das Ergebnis verantwortet, kann Hinweise abwägen, ohne jeden einzelnen umzusetzen. Das spart Zeit und führt oft zu besseren Ergebnissen.
Vier Fragen an Ihre Entscheidungsstrukturen
Ob die Zuständigkeiten in einem Projekt klar sind, lässt sich mit vier Fragen prüfen:
- Wer hat in welchen Fragen Vetorecht, und wer gibt nur Empfehlungen?
- Wer trägt die Verantwortung für die Ergebnisse, und ist das allen bekannt?
- Wo entstehen regelmäßig Verzögerungen, und warum?
- Welche Themen landen immer wieder „zurück in der Runde“?
Die letzten beiden Fragen führen oft zum gleichen Ergebnis: Wo ein Thema mehrfach denselben Weg nimmt, fehlt jemand, der es abschließend entscheidet. Das kostet Zeit, weil niemand den nächsten Schritt freigibt.
Was das für die Projektvorbereitung bedeutet
Diese Fragen klärt man am besten zu Beginn, bevor die ersten Entwürfe entstehen. Hilfreich ist ein schriftlicher Plan: Wer gibt was frei? Was entscheidet die Projektleitung selbst, was geht ans Management? Wo darf die IT eine Lösung ablehnen, und wo gibt sie nur eine Einschätzung ab?
Für Feedback sollten außerdem klare Fristen gelten, etwa „innerhalb von drei Werktagen“. So vermeiden alle Beteiligten unnötige Warteschleifen. Werden Rückmeldungen nicht innerhalb der vereinbarten Frist gegeben, sollte ebenfalls klar sein, wie das Projekt weitergeht.
Solche Absprachen wirken bürokratisch, solange alles reibungslos läuft. Doch sie zahlen sich aus, wenn Rückmeldungen einander widersprechen und jemand den Konflikt lösen muss.
Klarheit statt zusätzlicher Gremien
Gute Governance macht Projekte einfacher. Entscheidend ist, dass unterschiedliche Perspektiven gehört werden, ohne dass jede Rückmeldung automatisch zur neuen Abstimmungsrunde führt.
Wer die fachlichen und organisatorischen Folgen überblickt, sollte das Ergebnis verantworten. Denn Beteiligung bedeutet nicht, dass alle mitentscheiden müssen. Es bedeutet, dass relevantes Wissen einfließt und am Ende jemand eine Entscheidung trifft – und dafür geradesteht.
Nicht jede Meinung muss sich im Ergebnis wiederfinden. Aber jede sollte dort Gehör finden, wo sie zur Qualität des Projekts beitragen kann.
Über die Autorin
Susanne Philipp
Unternehmenskommunikation
Mit einem Fokus auf Content Marketing, PR und Employer Branding gestaltet Susanne Kommunikation, die Klarheit schafft und digitale Veränderung begleitet.