30 Jahre, 30 Fragen, Blogbeitrag #20: Wem gehören Ihre Systeme, Daten und Prozesse – Ihnen oder Ihrem Anbieter?
Am Anfang steht fast immer eine gute Entscheidung. Eine Lösung, die sofort funktioniert, wenig Mühe macht und vieles erleichtert. Erst Jahre später zeigt sich, was dabei unbemerkt wächst: eine Abhängigkeit, die sich kaum noch lösen lässt. Die Daten liegen in einem Format, das nur der Anbieter vollständig lesen kann. Die Prozesse stecken so tief in dessen System, dass niemand im eigenen Haus sie noch genau beschreiben könnte. Und ein Wechsel? Theoretisch möglich, praktisch unbezahlbar.
Digitale Abhängigkeiten entstehen selten durch einen einzigen Fehler. Sie wachsen schleichend, Schritt für Schritt, weil jeder einzelne bequem erscheint. Was als Erleichterung beginnt, wird mit der Zeit zur festen Bindung. Liegen Systeme, Daten oder Prozesse erst beim Anbieter, wird jede spätere Änderung teuer, langsam oder schlicht unmöglich.
Bequemlichkeit hat einen Preis, den man später zahlt
Das Tückische daran ist der Zeitverzug. Im Moment der Entscheidung zählt der Nutzen: Es läuft, es ist günstig, es spart Arbeit. Die Kosten der Abhängigkeit tauchen erst auf, wenn man etwas ändern will – den Anbieter wechseln, eine Funktion ergänzen, Daten in ein anderes System überführen. Genau dann merkt man, wie wenig Spielraum bleibt.
Deshalb lohnt es sich, die eigene Lage regelmäßig ehrlich zu prüfen, bevor der Ernstfall eintritt:
- Können Sie Ihre Daten vollständig und in nutzbarer Form exportieren?
- Verstehen Sie Ihre eigenen Prozesse – oder kennt nur der Anbieter sie im Detail?
- Wie aufwendig wäre ein Anbieterwechsel, wenn Sie ihn morgen bräuchten?
- Wer steuert Weiterentwicklung, Prioritäten und Zugriff auf Ihre Systeme?
Alle diese Fragen zielen auf dasselbe: Wie viel Kontrolle über die eigene digitale Basis bleibt tatsächlich, und wie viel liegt längst beim Anbieter?
Warum Offenheit Unabhängigkeit schafft
Hier wird die Wahl der Technologie zur strategischen Frage. Offene Standards und Open-Source-Systeme bieten klare Vorteile, weil sie eine andere Ausgangslage schaffen. Der Quellcode liegt offen, die Datenformate sind dokumentiert, und die Weiterentwicklung hängt nicht vom Wohlwollen eines einzelnen Herstellers ab. Deshalb setzen wir bei UEBERBIT auf Systeme wie TYPO3 und Drupal: Sie geben Unternehmen die Kontrolle über ihre digitale Basis zurück.
Das heißt nicht, dass man alles selbst betreiben muss. Man kann weiterhin Unterstützung holen, Betrieb und Pflege auslagern, mit Partnern arbeiten. Aber: Die Grundlage bleibt im Besitz des Unternehmens. Wer die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister beendet, nimmt seine Systeme und Daten mit – statt vor verschlossenen Türen zu stehen. Unabhängigkeit heißt nicht, auf Hilfe zu verzichten, sondern die Wahl zu behalten, von wem man sie bekommt.
Entscheiden können statt fragen müssen
Digitale Souveränität verlangt nicht, jede Aufgabe im eigenen Haus zu erledigen. Sie bedeutet, jederzeit handlungsfähig zu bleiben – auch dann, wenn sich Anforderungen, Anbieter oder Rahmenbedingungen ändern.
Am Ende läuft alles auf eine einzige Frage hinaus: Können Sie über Ihre Systeme, Daten und Prozesse selbst entscheiden – oder müssen Sie jemanden fragen? Wer diese Frage klar mit „entscheiden“ beantwortet, hat die Grundlage geschaffen, auf der sich alles Weitere aufbauen lässt.
Stefan Scholz
CTO/CIO
Mit 30 Jahren Erfahrung in der IT sorgt Stefan dafür, dass die Systeme seiner Kunden sicher laufen und sich weiterentwickeln. Als Leiter für Technik und Innovation setzt er auf offene Technologien, die Unternehmen langfristig handlungsfähig halten.