30 Jahre, 30 Fragen, Blogbeitrag #12: Passt das System zu unserem Projekt – oder passen wir unser Projekt dem System an?
„Das geht mit unserem System leider nicht.“ Wer so denkt, lässt sich von seinem Werkzeug beherrschen, statt es zu steuern. Was oft mit einer kleinen, pragmatischen Anpassung beginnt, entwickelt schnell ein Eigenleben. Plötzlich arbeitet nicht mehr das Content-Management-System (CMS) für das Projekt – das Unternehmen passt sich dem System an.
Jedes System bringt eigene Logiken, Möglichkeiten und Grenzen mit. Die Wahl eines Systems prägt daher oft stärker als erwartet die späteren Arbeitsabläufe. Das ist normal: Kein System funktioniert wie das andere, jedes gibt vor, wie die Arbeit mit ihm abläuft.
Kritisch wird es, wenn diese Anpassung unbemerkt zu weit geht – sei es aus Bequemlichkeit oder um Kosten zu sparen. Passen sich Unternehmen zu stark an ein System an, entstehen Kompromisse, die langfristig Arbeitsweisen, Prioritäten und sogar das Geschäftsmodell beeinflussen können.
Ein ehrlicher Blick auf Ihre Systeme
Bei bestehenden Website-Systemen und CMS lohnt es sich, regelmäßig innezuhalten und die eigene Systemlandschaft kritisch zu prüfen:
- Welche Anforderungen sind wirklich unverzichtbar?
- Wo verändert das System bereits unsere Prozesse?
- Entstehen unnötige Umwege oder Workarounds?
- Unterstützt das System unsere Ziele – oder nur seine eigene Struktur?
Steht ein neues Projekt wie ein Relaunch an, wird die Wahl des passenden Systems zum entscheidenden Meilenstein. Auch hier gilt: Klären Sie ehrlich, welche internen Prozesse, Anforderungen und Prioritäten Ihnen wichtig sind. Mit Erfahrung und den richtigen Fragen lassen sich viele spätere Probleme vermeiden.
KI als Chance – und Herausforderung
KI-Modelle, die sich in Systeme wie Drupal oder TYPO3 integrieren lassen, eröffnen neue Möglichkeiten: Wie abhängig bin ich noch von einem bestimmten System, wenn ich neue Seiten und Inhalte per Chat erstellen kann?
Diese Freiheiten erleichtern den Alltag von Redakteuren erheblich. KI kann SEO-Keywords, Teaser-Texte, Übersetzungen in leichte Sprache oder Fremdsprachen liefern. Sogar komplette Seiten mit Textvorschlägen entstehen auf Zuruf.
Doch auch die beste Technik entbindet Sie nicht davon, über Ihre Redaktionsworkflows, Freigaben und Projektziele nachzudenken. Wenn Ihr System keine nutzerfreundlichen Produktseiten mit Kontaktmöglichkeiten darstellen kann, passt es nicht. Oder wollen Sie auf Leads und Verkäufe verzichten?
Werkzeug oder Diktat?
Nicht jedes Problem lässt sich durch eine Systemanpassung lösen. Manchmal ist es besser, einen Prozess zu vereinfachen oder eine Anforderung zu streichen. Doch diese Entscheidungen sollten bewusst fallen – nicht, weil sie sich schnell abhaken lassen.
Der Unterschied ist entscheidend: Gute Systeme unterstützen Prozesse und bleiben flexibel. Schlechte Systeme zwingen Unternehmen, sich ihnen anzupassen.
Sprechen Sie mit uns, wenn Sie die richtigen Fragen für Ihr Projekt finden und die Antworten gemeinsam bewerten möchten.
Über den Autor
Rüdiger Kinting
Consultant und Projektbegleiter
Seit 2002 betreut Rüdiger bei UEBERBIT Kunden aus Mittelstand und Industrie – vom ersten Gespräch über die Planung bis zur Umsetzung webbasierter B2B-Projekte. Sein Ziel: Webtechnologien sinnvoll einsetzen und aus Ideen tragfähige Lösungen entwickeln.