30 Jahre, 30 Fragen, Blogbeitrag #11: Reden unsere Systeme miteinander oder nur aneinander vorbei?
Eine Szene, die uns in Kundenprojekten immer wieder begegnet: Eine Mitarbeiterin exportiert Kundendaten aus dem CRM, gleicht sie in einer Excel-Liste ab und pflegt das Ergebnis anschließend von Hand ins ERP ein.
Nicht, weil die Systeme nicht verbunden wären. Die Schnittstelle existiert seit Jahren.
Sondern weil sie den Daten nicht traut.
Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen Systemen, die verbunden sind, und Systemen, die wirklich zusammenarbeiten.
Verbunden heißt nicht verstanden
Viele Unternehmen verfügen über funktionierende Schnittstellen. Trotzdem spricht jedes System seine eigene Sprache.
Das CRM kennt den Kunden anders als das ERP. Der Webshop meldet einen Status, den das Warenwirtschaftssystem anders interpretiert. Dieselbe Information wird mehrfach gepflegt und sieht an jeder Stelle ein wenig anders aus.
Die Folgen kennt fast jedes Unternehmen: Informationen werden mehrfach erfasst, Prozesse reißen an Systemgrenzen ab und Mitarbeitende fragen sich, welche Information denn nun eigentlich stimmt.
Das Problem ist selten die Technik. Meist fehlt eine gemeinsame Definition dessen, was die Daten überhaupt bedeuten und welches System bei einer Information die Wahrheit kennt.
Vier Fragen an Ihre Systemlandschaft
Prüfen Sie einmal ehrlich:
- Verstehen Ihre Systeme dieselben Daten gleich?
- Wo entstehen Medienbrüche oder doppelte Pflege?
- Welche Informationen gehen auf ihrem Weg verloren?
- Gibt es klare Verantwortlichkeiten für Ihre Datenflüsse?
Gerade die letzte Frage bleibt häufig unbeantwortet. Für einzelne Systeme gibt es Verantwortliche. Für die Wege dazwischen oft niemanden.
Dabei entstehen genau dort die meisten Probleme.
Architektur beginnt mit einem gemeinsamen Verständnis
Gute Datenarchitektur beginnt nicht mit Middleware oder API-Standards.
Sie beginnt mit einfachen Fragen:
- Was ist bei uns ein Kunde?
- Was verstehen wir unter einem Auftrag?
- Was bedeutet ein bestimmter Status?
- Welches System ist für welche Information führend?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, können Schnittstellen das leisten, was man von ihnen erwartet.
Dann fließen Informationen konsistent durch das Unternehmen. Mitarbeitende können den Daten vertrauen, statt sie ständig zu kontrollieren oder eigene Schattenlisten zu führen.
Schnittstellen sind erst der Anfang
Systeme kommunizieren nicht automatisch sinnvoll, nur weil Schnittstellen existieren. Entscheidend ist, ob Informationen konsistent, verständlich und zuverlässig durch die Organisation fließen. Genau daran sollte sich jede Systemarchitektur messen lassen.
Über den Autor
Frank Meyerer
Geschäftsführer, COO
Technologie ergibt für Frank Meyerer erst Sinn, wenn sie die User voranbringt. Der Geschäftsführer von UEBERBIT begleitet Unternehmen verschiedener Branchen bei ihrer digitalen Transformation. Sein Fokus liegt auf zukunftssicheren Softwarelösungen.