Lisa Preßmar, Design & Konzeption 16.07.2018

UX Scotland 2018: User Experience und Design der Zukunft

UX Scotland 2018

Vom 13. bis 15. Juni 2018 besuchte ich die 6. UX Konferenz in Edinburgh, Schottland, wo sich über 400 UX-begeisterte, wissenshungrige und neugierige Kreative aus über 25 Ländern tummelten. Meine vielfältigen Eindrücke wirken bis jetzt nach, sodass ich die Highlights der Konferenz im Nachgang mit den Lesern unseres Blogs teilen möchte.

Das Angebot von mehr als 50 spannenden Vorträgen wurde durch jeweils bis zu vier parallel laufende Sessions auf die drei Tage verteilt. Zentrale Themen waren Prozesse, Strategie, Messurement, Service Design, Design (Eco-)Systems und Accessibility. Diese wurden in Form von Case Studies, Workshops, Tutorials und Diskussionen behandelt.

Design Operations und Messbarkeit

Peter Fossick von Factotum Design bot mit seiner Keynote "Designing services using DesOps in the Industrial Revolution 4.0" einen beeindruckenden Auftakt der Vortragsreihe. Der UX-Experte zeigte auf, dass durch schnelle technologische Entwicklungen die damit einhergehenden Herausforderungen an den Endverbraucher wachsen. Deshalb ist es wichtig, mittels "Design Operations" Ordnung in das Chaos zu bringen, statt einzelne Interaktionen zu gestalten. Dabei sollten UX-Designer das Ziel verfolgen, skalierbare und innovative Design-Ökosysteme zu entwickeln, bei denen sich das Design in das alltägliche Leben integriert. Fossick empfiehlt für den Erstellungsprozess ein agiles und iteratives Vorgehen, und er sagt ganz klar "Can't measure – don't do it!". Bei allen Projekten und entwickelten Produkten sollte am Ende ein messbarer Output entstehen, wie zum Beispiel ein klickbarer Prototyp. Die daraus hervorgehenden Erkenntnisse können den entscheidenden Unterschied ausmachen, ob ein Produkt nur gut oder innovativ ist.

Komplexität vs. Vereinfachung

Auch bei Rick Monro von Puppet ging es um wachsende Komplexität und den Versuch, Prozesse zu vereinfachen. In seinem Vortrag "UX heresy: when simple won't do" warnte er davor, das Vereinfachen generell als Königsdisziplin zu handeln. Seine klare Empfehlung lautet, Vereinfachung mit Vorsicht zu genießen. Wird im Entwicklungsprozess zu viel Komplexität entfernt, erhält der Nutzer am Ende ein Produkt mit wenig(er) Funktionen. Im Alltag oder bei der Arbeit unterstützt es ihn dann häufig nicht mehr ausreichend. In manchen Punkten muss Komplexität allerdings akzeptiert werden. Durch das Vorbereiten von Tests, das genaue Planen von MVPs (Minimum Viable Product) und Akzeptanzkriterien kann die Balance zwischen Komplexität und Vereinfachung gehalten werden.

Gute und schlechte Strategien

Der herausragende Part des zweiten Tages war der Workshop von Sophie Dennis (Cayenne) “Let’s talk about strategy: what it is, why it matters and how to do it well”. Mit dem Zitat von Peter Drucker "There is surely nothing quite so unless as doing with great efficiency what should not be done at all" verdeutlichte Sophie Dennis die Vorteile einer gut durchdachten Strategie. Aus ihrer Sicht helfen uns Strategien dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen – vorausgesetzt, sie sind gut. Schlechte Strategien, oftmals mit Schlagworten gefüllte Dokumente, führen zu keinem soliden Ergebnis. Die Strategie-Expertin erläuterte, wie schlechte Strategien anhand einfacher Methoden getestet werden können.

Herausforderung UX Governance

In seinem Vortrag "Bringing order to the chaos – good UX governance" schaffte es Stephen Denning (User Vision), das komplette Thema Prozesse, Strategie und deren Umsetzung innerhalb eines Entstehungsprozesses abschließend zu beleuchten und die einzelnen Bausteine zusammen zu bringen. Wir hatten bereits gelernt, dass neue Technologien durch Design strukturiert werden können und wie wir die passenden Strategien zu den eigentlichen Zielen planen. Aber auch das allein genügt nicht, erklärte Denning: Projekte brauchen einen Champion oder auch einen Anführer. Dieser geschulte und erfahrene Mitarbeiter, auch Senior genannt, gibt die Richtung vor, motiviert und teilt Erfolge im Team. Genauso wichtig ist ein Team, das verantwortungsvoll gemeinsame sowie persönliche Ziele verfolgt und an diesen Projekten im Unternehmen wachsen kann (Karrieremöglichkeiten). Mittels erprobter Methoden, bekannter Werkzeuge und standardisierter Abläufe werden Projekte erarbeitet und am Ende mittels Messmethoden verifiziert. Und schließlich ist noch zu berücksichtigen, dass es den Auftraggebern nicht ausschließlich auf harte Fakten ankommt, sondern auch um das Gefühl, das z.B. ihren Kunden während des Einkaufsprozesses vermittelt wird.

Fazit

Nach drei intensiven Tagen hieß es viel zu früh: Zeit für die Abreise - zurück nach Deutschland. Wir bedanken uns für eine Fülle von Ideen, Erkenntnissen und weiterführenden Denkanstößen. Diese wurden zwar auf unterschiedlichen Niveaus vermittelt, aber wir verließen die Veranstaltung auf jeden Fall ein ganzes Stück schlauer. Es besteht definitiv Wiederholungsbedarf!