Nils Landmann, SEO & Marketing 06.03.2018

Von Protocol Buffern und SEO-Testlaboren - die SEO Campixx 2018

SEO Campixx 2018 Berlin
SEO Campixx 2018 am Müggelsee

„Hose runter, Sieblingsgeburt“? „Achtsamkeit, (nicht nur) für Online-Marketer“? Bei so manchem Vortrag macht schon allein die Ankündigung neugierig ... Wie immer Anfang März ruft die SEO Campixx an den Müggelsee, der sich in diesem Jahr bei klirrender Kälte als traumhaftes Winterparadies präsentierte. Die SEO Campixx ist inzwischen Teil einer ganzen „Campixx-Week“ geworden, die eine Menge SEO-Kollegen alljährlich in den Berliner Osten zieht. Das Konferenz-Hotel selbst verströmt eher sprödes Flair der 80er-Jahre-DDR-Zweckarchitektur – aber gut, ich besuche die SEO Campixx nicht, um architektonische Perlen zu entdecken, sondern um interessante Vorträge zu hören und Leute zu treffen.

Knapp 100 Speaker-Slots in bis zu 10 parallelen Strängen bieten enorm viel Auswahl. Da wünscht man sich als Teilnehmer immer mal wieder, das Human-Klonen wäre schon weiter (nun ja, eigentlich nicht ernsthaft …). Umso wichtiger ist der Austausch mit anderen Teilnehmern, die gerade den spannenden Parallelvortrag gehört haben („Was? Wo warst du gerade, sagtest du? Ach, das hat er/sie wirklich gesagt/getan/angekündigt?“) …

Inhaltliche Auseinandersetzung statt Selbstdarstellung ist der Grundtenor der Konferenz – Selbstbeweihräucherungen von Toolanbietern oder Dienstleistern, wie man das von dmexco und Co. gewohnt ist, fehlen auf der Campixx völlig. Ein großer Vorteil dieses Konferenzformats, das der Initiator Marco Janck schon seit Jahren aufrechterhält. 

Die Themen: breit gestreut und nahezu durchgängig auf einem erfreulich hohen inhaltlichen Niveau. Von Erfahrungsberichten aus Agenturalltag und Selbständigkeit über klassische SEO-Themen wie Linkbuilding und Rankingfaktoren bis hin zu AMP – oder eben Achtsamkeit :-). Daneben stellten viele Vorträge die Frage „Wo geht es hin?“ in verschiedenen Facetten: In der „technischen Ecke“ boten Machine Learning, Voice Search und Indexierung javascriptbasierter Websites spannende Ansatzpunkte. Ein paar Highlights meines Konferenzplans:

Tom Alby (s. Foto) verkündete in seinem Vortrag über das Information Retrieval a la Google die Sinnlosigkeit einer WDF/IDF-Analyse (lautes Raunen im Publikum): Weil der zugrundeliegende Korpus nie derselbe sein könnte, auf dem Google seine Berechnungen aufbaue, sei eine annähernd passende Berechnung nicht realistisch. Das Reengineering des Google Algorithmus sei sowieso weitgehend unmöglich – man könne sich aber mit Modellen behelfen, um das Verhalten der Suchmaschine (halbwegs?) zu verstehen.

Valentin Pletzer zeigte, was sich aus dem Sourcecode der Google-Suchergebnisseiten alles so ableiten oder vermuten lässt. Nicht alles davon war gänzlich neu für die langjährigen SEOs im Publikum, aber es gab doch noch einige bisher unbeachtete Erkenntnisse, die sich auch bei unseren eigenen Projekten anwenden lassen.

Prall gefüllt mit Informationen waren auch die Ausführungen von Stefan Fischerländer zum Thema Natural Language Processing und dessen Anwendbarkeit bei Chatbots. Ein Augenöffner geradezu, was die Leistungsfähigkeit frei verfügbarer Bibliotheken angeht! Diese Aspekte werden uns zukünftig noch sehr viel mehr beschäftigen, da bin ich sicher.

In ganz anderem Zusammenhang hochspannend zeigte sich der Beitrag von Michael Roth: Er berichtete über seine Erfahrungen beim Website-Relaunch der Messe München, der im agilen Projektablauf mit Scrum umgesetzt wurde. Dabei kamen viele Dinge zur Sprache, die auch für uns sehr interessant sind, weil wir als Agentur mit agilen Methoden arbeiten. Die langanhaltende Frage- und Diskussionsrunde zeigte, dass das Thema agile Umsetzung von Projekten sowohl auf Unternehmens- als auch auf Agenturseite ein großes Thema ist. Und, dass es so manche Stolpersteine in sich trägt, die sich mit einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe in den Griff bekommen lassen.

Mein Fazit: Die Reise nach Berlin hat sich wieder gelohnt, eine Reihe von Anregungen habe ich mit nach Mannheim gebracht. Die müssen nun weitergedacht und auf ihre Nutzbarkeit im alltäglichen Geschäft untersucht werden. Also: Auf zum fröhlichen Jagen! 

Übrigens: Die eingangs erwähnten Vorträge habe ich dann doch nicht besucht, da gab es gleichzeitig einfach noch spannendere Sachen … Man muss sich eben entscheiden – aber neugierig bin ich immer noch :-) …